Innenleben von Druckerpatronen: Teure Luft in HP-Patronen

Zwar hat HP seine im vergangenen Jahr viel kritisierte Aussperrung von Alternativ-Patronen für Drucker wieder zurückgenommen, trotzdem gibt es weiterhin Ärger. Teilweise sind die vermeintlich günstigen XL-Patronen teurer als die Standard-Varianten, zudem ist in den Gehäusen erstaunlich viel Luft.

Beim Aufsägen der HP-Tintenpatronen fand Tonerdumping vor allem viel Luft
(Foto: Tonerdumping)

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Firmware-Update für HP-Drucker, mit dem Fremdpatronen ausgesperrt wurden, für einigen Wirbel gesorgt. Nach zahlreichen Protesten hatte HP die restriktive Software, die laut dem Hersteller eigentlich gegen Fälschungen helfen sollte, wieder entschärft. Dennoch bleibt die Diskussion um die Tintenpatronen weiterhin aktuell. Besonders das Instant-Ink-Programm, bei denen die Kunden ein Abo für ihre Tinte direkt mit HP abschließen, verärgert viele Fachhändler. Zusätzlich sorgt derzeit eine eigentlich seit 1. März gültige Preiserhöhung bei vielen Standard-Patronen für Unruhe unter den Vertriebspartnern, zumal die entsprechenden UVPs im Partnerportal laut Auskunft mehrerer Reseller noch nicht angepasst wurden. Die für viele Händler und Kunden nicht nur bezüglich der Höhe kaum nachvollziehbare Preispolitik wird damit noch ein Stück verwirrender.

So wirbt HP beispielsweise für seine mit mehr Tinte befüllten XL-Patronen mit einer Ersparnis von bis zu 50 Prozent pro gedruckter Seite. Sieht man sich jedoch die tatsächlichen Seitenpreise an, zeigt sich oft ein ganz anderes Bild. Ein gutes Beispiel dafür liefert etwa die schwarze Tintenpatrone 304. Für den bisherigen Verkaufspreis von 9,99 Euro soll sie laut offizieller HP-Angabe nach dem ISO-Testzyklus (ISO/IEC 24711) 120 Seiten schaffen. Der Seitenpreis liegt damit bei 8,325 Cent pro Seite. Die XL-Variante für 24,99 Euro bringt es auf 300 Seiten, was einem Seitenpreis von 8,33 Cent entspricht. Damit war die Kosten pro gedruckter Seite – zumindest bis zur Preiserhöhung – bei der vermeintlich günstigeren XL-Variante also tatsächlich sogar höher als bei der Standard-Patrone. Selbst nach der Preiserhöhung für die Standard-Patrone auf 12 Euro ist der Unterschied noch verschwindend gering und weit von den versprochenen 50 Prozent Einsparung entfernt.

Verglichen mit alternativen und wiederbefüllten Patronen macht sich außerdem selbst die Reichweite der XL-Patrone fast schon mickrig aus. Der Anbieter Tonerdumping, der sowohl originale als auch eigene Patronen anbietet, gibt etwa für seine ebenfalls für 24,99 Euro erhältliche Alternative zur HP 304 eine Reichweite von 975 Seiten an. Dabei versichert das Unternehmen gegenüber CRN, sich ebenfalls an die von den meisten Druckerherstellern ISO-Testmethodologie zu halten und auf diese Weise auch den von HP selbst angegebenen Wert verifiziert zu haben. Damit ist der Seitenpreis mit der Refill-Patrone um fast 70 Prozent billiger. Selbst die XL-Patrone von HP, die im Preis gleichauf mit der Alternativlösung liegt, schneidet hier aufgrund der bereits erklärten Seitenpreisproblematik nicht signifikant besser ab.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Trader DOE , 08:45 Uhr

Das Leid unserer lieben Aktiengesellschaften, wir müssen mehr verkaufen, wir müssen mehr Geld verdienen, wir müssen wachsen. In ihrer schier endlosen Gier interessiert den herkömmlichen Aktionär der Kunde überhaupt nicht mehr, Hauptsache er lässt sein Geld bei uns. Braucht es wirklich ein Gesetz. welches diesen Leuten Nachhaltigkeit und Kundenorientierung vorschreibt? traurig traurig