Exklusiv-Gespräch mit Gustavo Möller-Hergt:
Straffer Also Actebis-Konsolidierungsplan greift

von Martin Fryba (martin.fryba@crn.de)

02.08.2012

Gustavo Möller-Hergt, CEO und Deutschlandchef beim Broadliner Also Actebis, hat »geliefert«. Die Kosten sinken, auf unprofitablen Umsatz verzichtet der Distributor konsequent. Für höhere Gewinne sollen nicht zuletzt die neuen Herstellerpartner Apple und Samsung sorgen, wie der Distributionsmanager im Gespräch mit CRN.de erklärt.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Also Actebis-Chef Gustavo Möller-Hergt (Bildquelle: CRN)

Der Gang zum Berg Golgatha mit einem Kreuz auf dem Rücken bleibt Gustavo Möller-Hergt erspart – vorerst jedenfalls. Die schreibende und analysierende Zunft der Journalisten und Banker sowie einige Wettbewerber haben sich nämlich über die eigenwillige Arithmetik des Also Actebis-Chefs mokiert, wonach eins plus eins nicht gleich zwei, sondern vier sein soll (CRN berichtete [1]). Diese, bei Fusionen oft verwendete Synergie-Gleichung hatte Möller-Hergt 2011 der ungläubigen Öffentlichkeit vorgestellt. »Einige ihrer Kollegen in Deutschland wollten mich dafür kreuzigen. Aber wir haben geliefert«, demonstrierte der Manager am vergangenen Dienstag in Zürich eine Halbjahresbilanz, die sich im Vergleich zum Vorjahr sehen lassen kann. Also Actebis konnte im ersten Halbjahr 2012 einen um 77 Prozent auf 20,3 Millionen Euro verbesserten Konzerngewinn präsentieren. Für das Gesamtjahr wird ein Überschuss von 37 Millionen bis 43 Millionen Euro erwartet. »In allen Ländern arbeiten wir jetzt profitabel«, sagt CEO Möller-Hergt sichtlich zufrieden.

Das gute Resultat sei kein reines finanzmathematisches Thema gewesen, beteuert der promovierte Diplomingenieur, der als Harvard-Absolvent alle gängigen Instrumentarien für Controlling, Führung und Organisation beherrscht. Solche Management-Tools sind - oder sollten zumindest in den Führungsetagen hinlänglich bekannt sein, doch meist werden die daraus abgeleiteten Sanierungsmaßnahmen in der Praxis torpediert und schlecht exekutiert. Mit dem Also Actebis-CEO ist letzteres allerdings nicht zu machen. Wegsanierte und Rationalisierungsopfer sprechen denn auch von einem knallharten und gnadenlosen Kurs, für Möller-Hergt dagegen sind die wieder erfreulicheren Kennzahlen eine Folge der »konsequenten Umsetzung unserer Strategie«.

Die Häufigkeit, mit der Möller-Hergt das Wort »konsequent« verwendet, lässt erahnen, dass die Zeit für Komfortzonen bei Deutschlands zweitgrößtem Distributionskonzern abgelaufen ist. Die Betonung, mit der der Deutsch-Peruaner Möller-Hergt sein Lieblingsadjektiv »konsekuent« ausspricht, ist durchaus als Warnung zu verstehen: Wer nur vordergründig dem Konsolidierungsplan zustimmt, das Commitment aber nicht »konsekuent« umsetzt, hat unter Möller-Hergt keine Zukunft.

Apple- und Samsung-Distribution startet

Das Also Actebis-Management: Ralf Retzko, Thomas C. Weissmann und Gustavo Möller-Hergt (Bildquelle: CRN)

Bei Also Actebis hat das Management vor allem an drei Stellschrauben gedreht. Durch Entlassungen und eingestellte Bereiche, die 240 Stellen gekostete haben, wurden Personalkosten gesenkt. Rund 3.000 Mitarbeiter sind beim Broadliner jetzt beschäftigt. Deutliche Einsparungen erzielt Also Actebis auch bei den Betriebskosten. Allen voran die teuren IT-Plattformen wurden konsolidiert. Die sieben verschiedenen ERP-Systeme in zwölf Ländern sind in einem ersten Schritt auf drei reduziert worden. Allein hier spart Also Actebis drei Millionen Euro jährlich an Lizenz- und Wartungskosten. Ziel ist die weitere Homogenisierung auf ein einziges SAP-Kernsystem. »Wir haben weder Umsatz noch Kunden verloren«, sagt Möller-Hergt, was man durchaus als Anspielung auf Pannen anderer Distributoren im Zusammenhang mit SAP-Umstellungen verstehen kann. Zudem arbeiten an der weiteren Optimierung der Logistik Spezialisten, die von der Bertelsmann-Tochter Arvator neu zu Also Actebis gestoßen sind.

Der Umsatzrückgang bei Also Actebis im ersten Halbjahr um sieben Prozent auf 2,87 Milliarden Euro ist unter anderem auf das schwächer werdende PC-Geschäft zurückzuführen. Außerdem ging bis Juni dieses Jahres das wachstumsstarke Tablet-Geschäft mit iPads am Broadliner vorbei. Der kürzlich mit Apple geschlossene Distributionsvertrag ist erst ab Juli wirksam. Im Juni hat Also Actebis bei Apple Orders in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags platziert. Auch mit Samsung, dem nach Apple zweitwichtigstem Player bei Tablets und Smartphones, schloss der Broadliner ein Vertriebsabkommen. Die beiden Hersteller sollen künftig für »bedeutende zusätzliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen« sorgen.

Ansonsten achtet CFO Ralf Retzko strikt auf die Senkung der Betriebskosten, zu der auch der Kapitaleinsatz für die Bevorratung zählt. »Profitabilität und nachhaltiges Wachstum sind feste Säulen unserer MORE-Strategie«, führt Möller-Hergt aus. Daher kann der Manager gelassen den Umsatzrückgang kommentieren. Man habe sich von unprofitablem Geschäft in wenig lukrativen Produktsegmenten getrennt. »Weniger ist mehr«, lautet die Devise. Diese Losung so in Prozesse umzusetzen, dass Produktmanager sie im Tagesgeschäft wie Luft zum Atmen inhalieren, ist eine der Lieblingsbeschäftigungen von Möller-Hergt.

Actebis-Brand verschwindet

Der Professor lehrt schließlich Studenten an der TU Berlin, wie solche Verfahren angewandt werden. Und er belehrt in diesen Angelegenheiten mitunter auch IT-Leiter. Durchaus lautstark, wie man aus dem Umfeld des Broadliners hört. Allerdings monologisiert hier kein Demut fordernder General. Im Gegenteil. Wenn man Möller-Hergt Glauben schenkt, so fordert und fördert er eine professionelle Streitkultur, die zum Widerspruch explizit einlädt. Das dürfte für die Fraktion der Claqueure, die es in jedem größeren Unternehmen gibt, neu sein. »Ja-Sager ohne Bereitschaft zur Veränderung mag ich nicht«, räumt Möller-Hergt im Gespräch mit Computer Reseller ein. Mit dieser Haltung stößt der Distributions-Newcomer bei langjährigen Mitarbeitern bisweilen nicht immer auf Gegenliebe. Erst recht nicht, wenn ab kommendem Jahr der Brand Actebis verschwindet und der Broadlinerdann nur noch Also heißen wird. So emotional Möller-Hergt sein kann, so rational verfährt er bei der Markenführung. Wäre Actebis börsennotiert und nicht Also, wäre die Entscheidung zugunsten Actebis ausgegangen. In Osnabrück bei NT Plus müssen die Mitarbeiter dagegen vorerst nicht um den vertrauten Firmennamen trauern. Ein Wechsel des Brands wäre, nach der harten Sanierung der TK-Tochter, zu viel der Trauerarbeit.

[1] http://www.crn.de/distribution/artikel-95090.html

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