Negativtrend gestoppt:
Vobis eröffnet neue Filialen

von Matthias Hell (matthias.hell@crn.de)

28.07.2010

Vobis hat die Talsohle durchschritten: In den letzten Monaten hat das Franchise-System drei neue Filialen eröffnet. Dabei positioniert sich Vobis verstärkt als beratungsstarker Fachhändler und setzt auf die Themen Telekommunikation und E-Commerce.

Vobis-Geschäftsführer Siegfried Raisin

Wenn Firmen von der »Konzentration aufs Kerngeschäft« sprechen, wollen sie oft nur ihren unaufhaltsamen Niedergang kaschieren. Im Fall von Vobis [1] scheint der Allgemeinplatz jedoch angebracht: Nachdem von einst über 100 Filialen Ende 2009 weniger als 30 übrig waren, kann die Franchisekette heute 33 Partner vorweisen. »Unsere Zielvorgabe sind derzeit zwischen 30 und 40 Partner«, berichtete Vobis-Geschäftsführer Siegfried Raisin gegenüber Computer Reseller News.

In den Monaten Mai bis Juli ist es laut dem Vobis-Chef zu insgesamt drei Neueröffnungen an den Standorten Langenselbold, Berlin-Tegel und Hohen-Neuendorf gekommen. Nachdem sich die verbliebenen Vobis-Filialen fast ausschließlich auf die östlichen Bundesländer verteilten, komme vor allem der neuen Filiale im nahe Frankfurt gelegenen Langenselbold eine hohe Signalwirkung zu: »Auch im Westen ist Vobis nicht passé«, erklärt Raisin, »zwar sind die Rahmenbedingungen im Osten einfacher, aber wir wollen künftig in den westlichen Bundesländern expandieren.«

»Kein Kistenschieber«

Im Vergleich zur alten Vobis, die vor allem auf das »Superstore«-Konzept setzte, haben Raisin und seine Geschäftsführer-Kollegen Jürgen Bochmann und Jürgen Rakow der Franchisekette eine strategische Neuausrichtung verordnet. »Die Superstore-Situation mit Flächen um die 1.500 qm geht heute im IT-Bereich an der Welt vorbei«, erklärt Raisin. Das neue Leitbild seien kleinere Partner, die dafür mit ihrer Service- und Dienstleistungsstärke punkten könnten. »Wir sind kein Kistenschieber mehr«, so der Vobis-Chef, »unsere Philosophie kann nicht auf Umsatz zu geringen Margen beruhen.« Um mit dem neuen Konzept bei den Kunden zu landen, setzt Vobis verstärkt auf das Thema Telekommunikation als zusätzlichem Produktbereich. Nachdem die Grundabdeckung im TK-Bereich gegeben sei, ließen sich derzeit vor allem auf dem Datenmarkt erhebliche Zuwachsraten beobachten. »Als IT-lastiges Unternehmen sind wir gut geeignet, unseren Kunden TK-Produkte mitzuverkaufen«, berichtet Raisin. Das immer stärkere Zusammenwachsen von IT und TK eröffne den Partnern attraktive Chancen im Cross-Selling.

Ebenfalls eine wichtige Rolle in der neuen Vobis-Strategie spielt das Thema E-Commerce. Ende 2009 ging die Handelskette mit einem neuen Onlineshop an den Start, der den Kunden eine zentrale Bestellmöglichkeit bietet, für die Abwicklung jedoch auf die beteiligten Franchisepartner setzt. Geboren wurde das neue Online-Konzept dabei aus der Not: »Nachdem der E-Commerce-Dienstleister Product + Concept, der unseren Webshop als Online-Franchise-Filiale führte, Anfang 2008 Insolvenz anmeldete, musste schnell eine Lösung gefunden werden«, erzählt Raisin. Diese sei dann in Form eines eigenen Shops, der Aufträge an die Franchisenehmer vermittelt, gefunden worden. »Die Umsetzung eines zentralen Onlineshops im Franchisesystem war konfliktreich und auch heute sind nicht alle Partner angeschlossen«, so der Vobis-Geschäftsführer, doch habe sich die Mühe gelohnt: »Unser Online-Umsatz wächst von Jahr zu Jahr. In zwei bis drei Jahren sollte hier ein Anteil von 15 bis 20 Prozent am Gesamtumsatz möglich sein.«

[1] http://www.vobis.de/

Verwandte Artikel