Partnerschaftsmodell ist krisensicherer:
Spam: Direktvertrieb oder Partnerschaftsmodell

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

06.04.2010

Spammer müssen so wie normale Unternehmen mit Wirtschaftskrisen umgehen. Je nach Lage versuchen sie, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Genauso müssen sie auch das Verhalten der Spam-Empfänger beachten.

Spam gehört zu den alltäglichen Ereignissen. Eigentlich jeder ist davon betroffen. Es ist aber nicht nur eine sehr unangenehme Begleiterscheinung. Dahinter steckt auch eine Schattenwirtschaft, die genauso darauf ist, Geld zu verdienen - nur nicht legal. Dabei kann sie sich auch nicht den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entziehen. Sie kennt genauso wie die normale Wirtschaft, Wachstumsphasen und Rezensionszeiten. Dies zeigt das Beispiel der Spam-Entwicklung in Russland. Das White-Paper »Spam als Spiegel der Wirtschaft [1]« von Kaspersky Lab [2] analysiert, die sich Spam-Aufkommen im russischsprachigen Internet (Runet) so verändert, analog zur wirtschaftlichen Lage in Russland. So nimmt etwa die Eigenwerbung der Spammer in der Krise zu, weil ihre normalen Kunden - von der Krise gebeutelt - weniger Aufträge schalten. Daher gilt es hier, den Ausfall auszugleichen. Es lassen sich damit Tendenzen ablesen, aber keine wirtschaftlichen Analysen durchführen.

Das Spam-Aufkommen im russischsprachigen Raum entspricht der wirtschaftlichen Entwicklung in Russland. (Quelle: Kaspersky Lab)

Um Geld zu verdienen, existieren für Spammer zwei Geschäftsmodelle. Entweder gibt es eine direkte Beziehung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, also zwischen dem Spammer und dem Kunden, der seine Ware verkaufen will. Oder aber das Marketing erfolgt über ein Partnerschaftsprogramm. Dabei gibt es eine Plattform, über die der Verkauf der Waren erfolgt. Diese wird entweder von Verkäufer der Ware direkt oder einem Dritten betrieben.

In der Wirtschaftskrise nimmt der direkte Vertriebsweg Kunde-Spammer ab. Denn die Auftraggeber sind meist kleine oder mittelständische Unternehmen, die häufig sehr deutlich von einer Krise betroffen sind.

Partnerschaftsprogramme sind beliebter

Allerdings nimmt der Spam für Immobilien deutlich zu. Durch die Krise steht vermehrt Büroraum leer und es gibt mehr nicht beglichene Rechungen. Daher greifen Immobilien-Anbieter auch zu Spam, um wieder zu mehr Vermietungen zu kommen. Diese sind aber eher kleine Unternehmen. In normalen Zeiten gibt es kaum solchen Spam im Runet, da es eher größere Firmen sind, die als Immobilien-Agenturen arbeiten.

Bei den Partnerschaftsprogrammen sind die Spammer deutlich weniger vom konjunkturellen Verlauf abhängig. Denn sie bekommen ihr Geld als Provision dadurch, dass über die Plattformen Ware verkauft wird, zu denen sie über Spam Kunden bringen. Diese Partnerschaftsprogramme laufen ja weiter, auch in der Krise.

Deshalb versuchen Spammer den Wegfall der direkten Geschäftsbeziehungen durch mehr Mitgliedschaften in den Partnerschaftsprogrammen auszugleichen. Im Runet funktioniert dies aber nur begrenzt. Sehr viele russische Nutzer kaufen keine Ware, weil die Werbung dafür über Partnerspam kommt.

[1] http://www.viruslist.com/de/analysis?pubid=200883687
[2] http://www.kaspersky.com/de/

Verwandte Artikel