Kreditversicherer fahren Linien zurück:
Machtwechsel bei Distributor Devil

von Samba Schulte (samba.schulte@crn.de)

12.02.2009

Das deutsche Management des Distributors Devil wurde von der niederländischen Muttergesellschaft Tulip/Nedfield abgelöst. Schon zuvor hatten die Kreditversicherer die Linien für den Grossisten gekürzt. Derweil formiert sich der Widerstand gegen die niederländische Machtübernahme.

Nedfield/Tulip übernimmt die Macht in Braunschweig: Der Devil- Mitbegründer und bisherige Vorstandsvorsitzende Axel Grotjahn sowie CFO Torsten Matthies sind abgelöst. Außerdem wurde der Aufsichtsrat komplett ausgetauscht. Die niederländische Muttergesellschaft des Distributors hat dafür den im Komponentenhandel erfahrenen Niederländer Joost Bruyn als neuem CEO die Verantwortung für das Geschäft übertragen. Sechs holländische Mitarbeiter der Muttergesellschaft Tulip/Netfield und ein Deutscher bilden das neue Gespann im Aufsichtsrat.

Der Machtwechsel wurde ohne Angaben von Gründen vollzogen. Die Firma teilte lediglich mit: Die Geschäfte des Distributors liefen erfolgreich und würden ohne Einschränkungen fortgesetzt. Indes berichten Geschäftspartner des Unternehmens: Die Versicherer haben ihre Kreditlinien für das Unternehmen schon zuvor zurückgefahren. Für Spekulationen bleibt viel Raum: Kam es gar zu Unregelmäßigkeiten in Braunschweig?

Kenner des Unternehmens bestreiten dies. Die Geschäftsentwicklung gestalte sich im erwarteten Rahmen. Ganz anders bei Nedfield: Die Aktie erlitt in den vergangenen Monaten einen drastischen Kurseinbruch. Vorwürfe werden laut: Die Holländer ziehen Geld aus der größten Beteiligung ab. Derweil formiert sich Widerstand gegen die niederländische Machtübernahme.

Nach einem Beschluss der Hauptversammlung agiert die Devil AG mit einem neuen Aufsichtsrat und einem neuen Vorstand: Der bisherige Vorstandsvorsitzende Axel Grotjahn und CFO Torsten Matthies bleiben laut einer Pressemitteilung im Unternehmen und würden »die erfolgreiche Strategie und die ehrgeizigen Ziele des Distributors in veränderten Positionen weiter vorantreiben «. Der 51-jährige Joost Bruyn verantwortet nun als CEO und aktuell einziger Vorstand die Leitung des Distributors. Der Niederländer sammelte vor allem im Komponentenhandel Erfahrungen, beispielsweise bei der Firma Optiland Components.

Möglicherweise reagierte Nedfield mit dieser Maßnahme auf die Kürzung der Kreditlinien, welche die Versicherer nach Auskunft von Geschäftspartnern bereits in den vergangenen Wochen vorgenommen haben. Kenner des Braunschweiger Unternehmens führen jedoch den Ausstieg der Kreditversicherer auf den drastischen Kurseinbruch bei der börsennotierten Muttergesellschaft zurück: Die Aktie sank von einer Notierung über fünf Euro im Februar vergangenen Jahres auf unter ein Euro seit Oktober 2008.

Börsengang dürfte vom Tisch sein

Nedfield – damals hieß der Konzern noch Tulip – übernahm den Braunschweiger Distributor im Jahr 2006. Das ausgegebene Ziel, Devil an die Börse zu bringen und so weiteres Wachstum zu finanzieren, scheiterte im ersten Anlauf im Mai 2008. Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage dürfte der Börsengang vom Tisch sein, neue Finanzierungsoptionen für die geplante Expansion ergaben sich bislang nicht. Dabei kann man in Braunschweig auf solide Zahlen verweisen: Im Geschäftsjahr 2007/2008 (endete mit dem 31. Juni 2008) steigerte der Distributor seinen Umsatz leicht von 322 Millionen auf 324 Millionen Euro. Die Devil- Erlöse leisten den Hauptbeitrag zum Ergebnis der niederländischen Firma: Nedfield erzielte im ersten Halbjahr 2008 einen Umsatz von rund 176 Millionen Euro. Wesentlich getragen von den Devil-Aktivitäten (Bereich Procurement & Logistical Solutions), der rund 150 Millionen Euro umsetzte. Die Rendite war gedämpft wegen hoher Investitionen in die Infrastruktur und die Prozesse in Braunschweig. Nedfield musste insgesamt einen Ergebnis-Rückgang von über drei Millionen Euro auf 200.000 Euro hinnehmen.

Im Rahmen der Machtübernahme werden Vorwürfe laut: Die Holländer seien klamm und wollen nun Geld aus der größten Beteiligung der Unternehmensgruppe abziehen. Kenner des Unternehmens befürchten, dass der bislang recht erfolgreich agierende Vollsortimenter Schaden nimmt. Ein Kenner des Nedfield/Tulip-Konzerns kommentiert die Maßnahme: »Die Gründe für die Abberufung des Vorstandes und die Neubesetzung des Aufsichtsrats bei Devil sind sicherlich nicht darin zu suchen, dass die bisherigen Kapitäne das Schiff nicht mehr auf Kurs halten konnten. Es liegt wohl eher daran, dass sie nicht gewillt waren, den vorgeschriebenen Kurs der Mutter einzuschlagen.«

Wie CRN erfahren hat, formiert sich schon der Widerstand gegen die niederländische Machtübernahme. Denn als der Konzern 2006 als Mehrheitseigner bei Devil einstieg, versprach man, dem deutschen Management die Entscheidungsgewalt zu belassen. Konzernintern hat die rebellische deutsche Seilschaft allerdings wenig Macht. In diesem Fall könnte nur die Loslösung vom Nedfield-Konzern das Ziel sein.