Burgfrieden geschlossen

von Martin Fryba (martin.fryba@crn.de)

14.12.2007

Ob sie wollen, ist nicht die Frage. Angesichts der angespannten Lage bei Softline müssen die Manager Kürschner und Wöhrlin-Braaz jenseits persönlicher Animositäten an einem Strang ziehen - und eine weitere Schlüsselfigur befrieden.

»Zusammengerauft« - Markus Kürschner (links) und Guido Wöhrlin-Braaz

Noch kann oder will Softline [1]-Chef Markus Kürschner zur generellen Strategie des Offenburger Software-Distributors nichts sagen. Der Manager wurde von seiner Berufung zum CEO von Softline vor zwei Wochen ebenso überrascht wie sein fristlos entlassender Vorgänger Lars Schneider (CRN berichtete [2]). Offenbar gehen erst interne, bisher ungelöste Fragen vor. Kürschner ist mit Aufräumarbeiten voll ausgelastet, die darauf abzielen, Kosten zu senken, was in der gegenwärtigen Lage von Softline auch dringend geboten ist. Dazu gehört die Schließung einer Monaco Service GmbH, die offenbar vorgehalten wurde, um zu einem späteren Zeitpunkt in die Webentwicklung einzusteigen. Weit wichtiger ist aber ist die Frage, wie die beiden Distributionsgesellschaften Maily und Trade Up unter dem Dach der Softline AG künftig aufgestellt sein müssen. Kürschner ist hier weitergekommen - einen Schritt weit wenigstens.

Zum Jahresanfang sollen die Softwaredistributoren Maily und Trade Up verschmolzen werden und unter TradeMail Distribution GmbH firmieren. Sitz der Gesellschaft ist Offenburg. Man habe den Wünschen der Hersteller Rechnung getragen, die nur noch einen Ansprechpartner wollen, so das offizielle Statement. Außerdem spricht Kürschner von »deutlichen Rationalisierungseffekten«. Fast ein halbes Jahr ist verstrichen, seit Softline von Cancom die Maily Distribution gekauft hatte, um seine bereits unter dem Dach tätige Distributionstochter Trade Up zu stärken. Nun erst werden Lager, Einkauf und Kundenservice zusammengelegt.

Die neue TradeMail wird von Kürschner und Guido Wöhrlin-Braaz geführt, Geschäftsführer von Maily der eine, von Trade Up der andere. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beide miteinander nicht so recht können. Dem Tauziehen um Personal, Standort und Marktausrichtung hatte Ex-Softline-Chef Schneider nicht Einhalt geboten, in diesem Vakuum ließ es sich prächtig streiten. Damit ist nun Schluss.

Der dritte Mann

Retail- und Marketing-Spezialist Jörg Littmann

Es muss für Wöhrlin-Braaz eine faustdicke Überraschung mit fadem Beigeschmack gewesen sein, als Kürschner, kaum ein halbes Jahr bei der Softline-Gruppe, zu neuen CEO der Muttergesellschaft ernannt und er, Kürschner, ihm de facto vor die Nase gesetzt wurde. Aber Kürschner kann zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als noch mehr Unruhe in der Gesellschaft brauchen. Personalquerelen oder eine zu befürchtende Fluktuation in der Führungsebene erst recht nicht. Mit der jetzigen Entscheidung, Wöhrlin-Braaz zum Geschäftsführer der TradeMail zu berufen, ist einstweilen der Burgfriede geschlossen. Eine andere Personalentscheidung zielt in die gleiche Richtung: Jörg Littmann.

Mit dem in diesem Geschäft erfahrenen Manager steht und fällt die von Softline wieder aufgenommene Distribution mit dem Retailkanal, zu deren Kunden die Media Markt-/Saturn-Gruppe gehört. Littmann wird als weiterer Geschäftsführer die neue Führung der TradeMail komplettieren. Spekulationen, dass Littmann die Gruppe nach den Unruhen verlassen könnte, dürften somit vorerst vom Tisch sein.

Von Harmonie, nach der angekündigten Verschmelzung der beiden Distributionsgesellschaften, zu sprechen, wäre jedoch verfrüht. Denn die Vergangenheit ganz hinter sich zu lassen, will Kürschner dann doch nicht. Die neue TradeMail wird nämlich weiterhin mit den beiden Marken Maily Distribution und Trade Up Distribution am Markt präsent sein.

[1] http://www.softline.de
[2] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=204204033

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