Widerstand gegen niederländische Machtübernahm:
Kampf um Devil
Nachdem die niederländische Muttergesellschaft Nedfield/Tulip das deutsche Management des Braunschweiger Distributors Devil am Mittwoch überraschend und ohne Angabe von Gründen entmachtet hat, formiert sich nun der Widerstand.
Der Devil-Mitbegründer und bisherige Vorstandsvorsitzende Axel Grotjahn wurde handstreichartig von seinen Aufgaben entbunden
Nedfield/Tulip übernimmt die Macht in Braunschweig: Der Devil [1]-Mitbegründer und bisherige Vorstandsvorsitzende Axel Grotjahn, wie auch der vor kurzem als CFO im Vorstand angetretene Torsten Matthies sind abgelöst. Außerdem wurde der Aufsichtsrat komplett ausgetauscht. Die niederländische Muttergesellschaft des Distributors hat dafür den Niederländer Joost Bruyn als CEO dem Unternehmen vorangestellt. Sechs holländische Mitarbeiter der Muttergesellschaft Tulip/Netfield und ein Deutscher bilden das neue Gespann im Aufsichtsrat.
Der Machtwechsel wurde ohne weitere Erklärung, ohne Angaben von Gründen, am Mittwoch, 4. Februar, verkündet. Lediglich ein Bekenntnis, die Geschäfte des Distributors erfolgreich weiterführen zu wollen, beinhaltete die knappe Pressemitteilung. Für Spekulationen bleibt nun viel Raum: Steckt Devil etwa in einer finanziellen Krise? Kam es gar zu Unregelmäßigkeiten und unsauberen Vorfällen?
Kenner des Unternehmens bestreiten dies. Die Geschäftsentwicklung, insbesondere die Umsatzentwicklung, gestaltete sich demnach durchaus im zu erwarteten Rahmen.
Kurseinbruch bei Nedfield/Tulip
Ganz anders bei Nedfield: Die Aktie der niederländischen Unternehmensgruppe erlitt in den vergangenen Monaten einen drastischen Kurseinbruch: Von einer Notierung über fünf Euro im Februar vergangenen Jahres auf unter ein Euro seit Oktober 2008. Die Gruppe erzielte im ersten Halbjahr 2008 einen Umsatz von rund 176 Millionen Euro. Wesentlich getragen von den Devil-Aktivitäten (Bereich Procurement & Logistical Soltuions) , der rund 150 Millionen Euro umsetzte. Die Rendite war gedämpft wegen zahlreicher Investitionen in die Infrastruktur und die Prozesse in Braunschweig. Nedfield musste insgesamt einen Ergebnis-Rückgang von über drei Millionen Euro auf 200.000 Euro hinnehmen.
Selbstverständlich werden im Rahmen der Machtübernahme nun auch Vorwürfe laut: Die Holländer seien klamm. Man wolle Geld aus der größten Beteiligung - und größten Investition - der Unternehmensgruppe abziehen, zumal der ursprünglich geplante Börsengang des Unternehmens in der angespannten Wirtschaftslage vom Tisch sein dürfte. Zu befürchten ist, dass der bislang erfolgreich agierende Vollsortimenter und SMB-Distributor Schaden nimmt.
Wie CRN erfahren hat, formiert sich derweil der Widerstand gegen die niederländische Machtübernahme. Denn als der Konzern 2006 als Mehrheitseigner bei Devil einstieg, versprach man, dem Markt-erfahrenen deutschen Management die Entscheidungsgewalt zu belassen. Konzernintern dürfte die deutsche Seilschaft wenig Macht haben, in diesem Fall müsste die Loslösung vom Nedfield-Konzern das Ziel sein.
[1] http://www.devil.de
- 1. Seite: Kampf um Devil
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