Cloud-Computing:
Gesetze gefährden Cloud-Computing in der EU

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

29.07.2010

Anbieter von Cloud-Computing-Services wie Microsoft und Google erhöhen den Druck auf die Europäische Union. Diese soll in den Mitgliedsstaaten einheitliche Regeln durchsetzen, was das Speichern von Kundendaten betrifft.

Die Regelungswut der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ist Google [1], Microsoft [2], Amazon [3] und anderen Anbietern von Cloud-Computing-Angeboten ein Dorn im Auge. Laut einem Bericht des Wall Street Journal [4] wollen sie erreichen, dass innerhalb der EU einheitliche Regeln etabliert werden, was das Speichern von Kundendaten und persönlichen Informationen im Allgemeinen betrifft.

Microsoft ist einer der Anbieter, die in Europa mit Cloud-Computing kräftig Geld verdienen wollen.

Die High-Tech-Firmen argumentieren, dass es für sie unzumutbar sei, die in jedem einzelnen Land geltenden Regeln zu berücksichtigen. Das Datenschutzgesetz in Deutschland etwas sieht vor, dass Kundendaten maximal sechs Monate lang aufgewahrt werden dürfen. In Frankreich und Ungarn sind es zwölf Monate, in Italien und Irland wiederum 24 Monate.

Dieser Wirrwarr ersschwert es Behörden, Firmen, Bildungseinrichtungen und Kliniken, preisgünstige Cloud-Computing-Dienste zu nutzen, so die Anbieter. Sie sehen ihre Investitionen in Datacenter in Gefahr.

Datacenter stehen bereit

So baut Microsoft derzeit in Dublin für 500 Millionen Dollar ein Rechenzentrum, über das Cloud-Services angeboten werden sollen. Es ist nach Amsterdam die zweite Einrichtung dieser Art. Google verfügt über zwölf Datacenter in Europa oder baut sie derzeit auf.

Cloud-Computing-Dienste im Vergleich (Experton Group, 2010).

Die divergierenden gesetzlichen Regelungen machen es komplizierter, über diese Rechenzentren Services anzubieten. Bis 2012, so Microsoft, sollte eine einheitliche Gesetzgebung innerhalb der EU greifen, damit Cloud-Computing in Europa nicht ins Hintertreffen geraten.

Diese Wartezeit wollen nun regionale Cloud-Computing-Anbieter, etwa aus Frankreich, ausnutzen. Sie hoffen dabei auf finanzielle Hilfe durch die EU oder einzelne Mitgliedsstaaten.

Ein zentrales Argument der Anbieter: Als europäische Anbieter würden sie sicherstellen, dass vertrauliche Daten ihrer Kunden nicht auf Servern und Storage-Systemen landen, die unter Kontrolle von US-Firmen stehen – ein Spiel mit der Angst der Anwender vor Industriespionage.

[1] http://www.google.de/
[2] http://www.microsoft.de/
[3] http://www.amazon.de/
[4] http://www.wsj.com/

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