IT-Verantwortliche bleiben Web 2.0 fern:
Mittelstand lehnt Social Media weitgehend ab

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

16.06.2010

Während manche Großunternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeiten des Web 2.0 regelrecht ans Herz legen, sperrt sich der deutsche Mittelstand meist noch gegen die soziale Vernetzung. Insbesondere die IT-Verantwortlichen sehen dabei kein vernünftiges Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen der Tools

Gerade die IT-Verantwortlichen der KMU wollen vom Web 2.0 Hype meist nichts wissen. (Bild: Kzenon, Fotolia.com)

Das Web 2.0 und insbesondere seine verschiedenen Sozialen Netzwerke durchsetzen nach der völligen Eroberung der privaten Kontaktpflege inzwischen auch zunehmend die professionelle Unternehmenswelt an. Vielfach gilt in der mit IT durchsetzten Arbeitswelt schon heute, wer kein Business-Profil auf LinkedIn, Facebook oder Xing hat - am besten natürlich alle - schon fast als eine Art »digitaler Außenseiter«. Manche größeren Unternehmen haben sogar schon ihre eigenen internen Sozial-Netze ausgerollt, in denen die Mitarbeiter munter drauflos kommunizieren und kollaborieren können.

Einzig die kleinen und mittelständischen Unternehmen scheinen sich diesem Trend bisher weitgehend zu widersetzen, ähnlich einem gewissen kleinen gallischen Dorf in den Asterix-Comics: Lediglich ein knappes Viertel der Geschäftsführer unter den 105 von PR-COM [1], einer Agentur für strategische Unternehmenskommunikation und PR in München, aktuell befragten Unternehmens- und IT-Verantwortlichen aus mittelständischen Unternehmen, gab beispielsweise an, die neuen Medien des selbst zu nutzen oder zumindest zu verfolgen. Eine regelrechte Ablehnung der sozialen Webtools gibt es gar bei den IT-Verantwortlichen dieser KMU: Nur acht Prozent von ihnen nutzen die gerne so hoch gelobten Social Media Angebote.

»Es zeigt sich hier erneut, dass Social Media in der IT keine Basis findet«, erläutert PR-COM-Geschäftsführer Alain Blaes. »Während insbesondere in den USA die IT ganz selbstverständlich auch in Foren, Blogs, Communities usw. zu Hause ist, hält man sich hierzulande von solchen Kommunikationsformen lieber fern.«

Absicherung meist zu aufwendig

Für viele der IT-Verantwortlichen stehen Aufwand und Nutzen bei den Web 2.0-Angeboten einfach in keinem sinnvollen Verhältnis. Denn bei ihrem Einsatz im Unternehmensumfeld sind die Risiken und die dadurch nötigen Absicherungsmaßnahmen nochmals erheblich höher, als beim privaten Gebrauch. Immer öfter und gezielter versuchen Kriminelle aus dem Internet an die Daten von Business-Profilen heranzukommen und so Zugang zu weiteren Kontakten oder auch Logins und Dateien der Opfer zu bekommen – gerade der deutsche Mittelstand als Innovationsmotor ist eines ihrer bevorzugten Ziele (siehe: Zahl und Qualität der Cyberangriffe auf kleine Firmen steigt [2]). Doch auch ganz legal können die Netze die Daten gefährden, wenn die Nutzer allzu blauäugig alles für jeden einsichtig preisgeben, weshalb etwa Open-Xchange CEO Rafael Laguna mit einem deutlichen »Command Your Data! [3]« auch mehr Eigenverantwortung der Nutzer im Umgang mit dem Web 2.0 fordert.

Darüber hinaus widersprechen die Antworten der Befragten ganz nebenbei auch der immer wieder geäußerten These, dass sich Web / 2.0 und Print-Medien gegenseitig ausschließen oder gar kannibalisieren würden. Für 60 Prozent der bei Social Media aktiven unter den befragten Verantwortlichen aus den KMU ist gleichzeitig auch die Lektüre mindestens einer gedruckten IT-Zeitschrift pro Woche Informations-Pflicht.

[1] http://www.pr-com.de/
[2] http://www.networkcomputing.de/netzwerk/sicherheit/artikel-83580.html
[3] http://www.informationweek.de/infrastruktur/sicherheit/artikel-83857.html

Verwandte Artikel
Leserkommentare

Melden Sie sich an, um einen Leserkommentar schreiben zu können.

» Tipp der Redaktion

Bild zu "Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010"

Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010

IT-Riesen wie Microsoft, IBM oder Dell haben längst erkannt, dass Frauen in Führungspositionen gehören. Nachdem wir Ihnen in den vergangenen Woche die weltweit mächstigesten IT-Damen vorgestellt haben, folgen jetzt die deutschen Top IT-Managerinnen 2010 - mit einigen Neuzugängen und Managerinnen die schon seit Jahren ihre »Frau« in der IT stehen.

Bild zu "50 Jahre IFA"

50 Jahre IFA

2010 feiert Berlin die 50. IFA. Seit dem Startschuss zur ersten IFA sind aber fast doppelt so viele Jahre vergangen. Die ersten »Große Deutsche Funk-Ausstellung« hatte bereits 242 Aussteller und 180.000 Besucher auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern. Seither war die IFA Schauplatz für zahlreiche Premieren und Neuvorstellungen, etwa den Startschuss für das Farbfernsehen 1967.

» Top-Stories der Woche

Bild zu "50 Jahre IFA"

50 Jahre IFA

2010 feiert Berlin die 50. IFA. Seit dem Startschuss zur ersten IFA sind aber fast doppelt so viele Jahre vergangen. Die ersten »Große Deutsche Funk-Ausstellung« hatte bereits 242 Aussteller und 180.000 Besucher auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern. Seither war die IFA Schauplatz für zahlreiche Premieren und Neuvorstellungen, etwa den Startschuss für das Farbfernsehen 1967.

Bild zu "Was der 1&1-Werbestar wirklich will"

Was der 1&1-Werbestar wirklich will

Ist er ein Schauspieler, oder ist er »echt«? Seit diesem Frühjahr wirbt Marcell D’Avis als »Leiter Kundenzufriedenheit« in TV-Spots für den Internetprovider 1&1. CRN hat D’Avis getroffen.

» Meistgelesene News

Bild zu "Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010"

Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010

IT-Riesen wie Microsoft, IBM oder Dell haben längst erkannt, dass Frauen in Führungspositionen gehören. Nachdem wir Ihnen in den vergangenen Woche die weltweit mächstigesten IT-Damen vorgestellt haben, folgen jetzt die deutschen Top IT-Managerinnen 2010 - mit einigen Neuzugängen und Managerinnen die schon seit Jahren ihre »Frau« in der IT stehen.

Bild zu "Nokia N8 mit Symbian 3"

Nokia N8 mit Symbian 3

Mit seinem neuen Touchscreen-Smartphone N8 will Nokia endlich Apples iPhone und der wachsenden Andoid-Konkurrenz wieder ernsthaft Paroli bieten. Eine besonders wichtige Rolle kommt daher dem neuen Symbian 3 zu, das die Bedienung per Touchscreen weit besser unterstützt als die Vorgängerversionen.

» Preisvergleich Top 5