»Armutszeugnis für den deutschen Mittelstand«:
KMU scheitern an Compliance Management

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

01.06.2010

Besonders die Kleinen und Mittelständischen Unternehmen in Deutschland unterschätzen die Gefahren durch Wirtschaftskriminalität oft fahrlässig: Die meisten sind schon mit dem Compliance Management überfordert, eine solide Strategie zur Risikominimierung gibt es fast nie.

Der deutsche Mittelstand ist mit den Aufgaben des Compliance-Managements meist überfordert. (Bild: kebox, fotolia.com)

Nach den Zahlen des BSI und BKA ist die Wirtschaftskriminalität in den letzten 24 Monaten stark angewachsen. Befeuert durch die Krise hatte die Schattenwirtschaft einen Rekordaufschwung, besonders im Internet. Doch obwohl öffentliche Einrichtungen, Branchenverbände und Medien immer wieder vor dieser Entwicklung warnen, scheint die reelle Gefahr in den Köpfen der Verantwortlichen vieler deutscher Unternehmen noch immer nicht angekommen zu sein. Gerade die kleineren und Mittelständischen Firmen zeigen sich hier meist gefährlich sorglos, wie jetzt eine Umfrage [1] der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG [2] unter rund 300 IT-Entscheidern auf einer Konferenz zum Thema Compliance und Risikomanagement zeigt.

So prüfen etwa lediglich 41 Prozent der befragten Unternehmen überhaupt regelmäßig, ob die vorliegenden Compliance-Vorgaben zur IT-Sicherheit oder zum ethischen, geschäftlichen Handeln auch eingehalten werden. Noch weniger verlangen von ihren Mitarbeitern eine verbindliche Festlegung auf die bestehenden Vorgaben: Nur in 20 Prozent der Fälle müssen sich die Mitarbeiter offiziell und per Unterschrift zur Einhaltung bestimmter Richtlinien verpflichten.

Damit zeigt sich deutlich, dass schon die erste Voraussetzung, ein verlässliches Compliance-Management, nur in den wenigsten deutschen Kleinunternehmen gegeben ist. Eine durchgängige Strategie zur Minimierung von Schadensrisiken hat Seltenheitswert. »Das ist einerseits ein Armutszeugnis für den deutschen Mittelstand«, kommentiert Dr. Martin Bartonitz, Produktmanager beim ECM-Experten Saperion [3], diese Zahlen deshalb sehr deutlich.

Gefahr durch Überforderung und Schlendrian

Andererseits sei eine gewisse Überforderungen mit den sich stetig verändernden Regularien und ihrer Umsetzung angesichts ihrer schieren Dimensionen durchaus auch nachvollziehbar, so Bartonitz. So sehr im deutschen Mittelstand auch ein gewisser selbst verschuldeter »Schlendrian in Sachen Compliance Management« herrsche, sei die Herausforderung oft auch von vorneherein zu groß. »Auf der anderen Seite ist das aber auch verständlich. Denn wer kann schon an die 25.000 Vorschriften beherrschen, zu denen die vielen Gesetze und Regularien in den letzten 30 Jahre angewachsen sind?«.

Dabei ist es gerade in diesem bereich wichtig, sicher aufgestellt zu sein, da die meiste Innovationskraft in Deutschland aus diesen »Patentschmieden Deutschlands« kommt. Somit ist es für den gesamten Standort und seine innovativen KMU unumgänglich, dass diese eine umfassende Compliance-Strategie für sämtliche Unternehmensbereiche erarbeiten und implementieren, um ihren Erfolg nachhaltig abzusichern. Nur so lassen sich die vorhandenen Risiken zuverlässig finden, analysieren und bewerten und entsprechende Schutzmaßnahmen zur Minimierung erarbeiten und ergreifen.

»Um Unternehmen mit diesem Regularien-Dschungel zu helfen, steht das Thema Compliance bei der Entwicklung unserer Software immer an erster Stelle«, erklärt Bartonitz. »Sei es, dass sämtliche geschäftsrelevanten, elektronischen Dokumente inklusive E-Mails ordnungsgemäß gespeichert sowie ihre Aufbewahrungsfristen sichergestellt oder dass Datenschutzgesetze automatisch eingehalten werden. Des Weiteren sind zusätzliche Freigaben im Geschäftsprozess gewährleistet. Die Transparenz wird durch die Protokollierung sämtlicher Vorgänge im System garantiert.«

[1] http://www.kpmg.de/Themen/17321.htm
[2] http://www.kpmg.de/Themen/9543.htm
[3] http://www.saperion.com/de

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