Viren als Bandenwaffen:
Internet-Kriege zwischen Cybergangs kommen

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

20.03.2009

Der Kampf um die Gewinne aus Phishing und andere kriminellen Aktivitäten führt in 2009 zu Internet-Kriegen zwischen den Cybergangs. Unternehmen könnten sich mit mehr Lösegeldforderungen nach Festplattenverschlüsselung konfrontiert sehen.

Bandenkriege zwischen verfeindeten Mafiaclans bekommen Menschen meist eher in den Nachrichten mit. Bekanntes Beispiel in der jüngeren Vergangenheit sind die Mafiamorde von Duisburg. Das könnte sich in 2009 ändern. Auch das Internet wird nach Einschätzungen der Sicherheitsexperten von Trend Micro [1] zum Schauplatz von Bandenkriegen. Denn der Kampf um die Gewinne aus kriminellen Machenschaften wie Phishing nimmt zu. Die Folge: Kriege zwischen Cybergangs mit Viren, Würmern oder Botnetzen. Zwei Faktoren verschärfen diese Entwicklung: Die Gangs schrumpfen auf eine gesunde Größe und die Sicherheitslösungen werden besser. Durch die zunehmende Konkurrenz steigt wie in der normalen Wirtschaft der Druck auf die Cyberkriminellen mit ihren Produkten als erste auf dem Cyberschwarzmarkt zu sein. So gibt es derzeit ein Rennen zwischen chinesischen und osteuropäischen Kriminellen, als erstes mit den aktuellen Exploits in ihren Entwicklungs-Kits auf den Markt zu kommen.

Tool, um einen Fake für eine YouTube-Webseite zu erstellen (Quelle: Trend Micro)

Weiter erwarten die Experten, dass es in der zweiten Hälfte in 2009 mehr Erpressungsversuch über Ransomware geben könnte. Diese Programme verschlüsseln Daten auf infizierten Rechnern. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen sind hier ein interessantes Ziel: Ihnen fehlt meist die Kraft und die Möglichkeiten, mit den Ausfällen zurechtzukommen.

Auch die Gefährlichkeit der Malware nimmt zu. Web-Threats kombinieren zunehmend verschiedene Angriffswege (Blended-Threats), um möglichst spät aufzufallen. Das sind beispielsweise DNS-Manipulationen durch Trojaner. Durch Manipulationen des Cache (Poisoned-Cache) von DNS-Servern richten Cyberkriminelle geheime Kommunikationskanäle ein. Dabei umgehen diese auch Schutzmaßnahmen und verbreiten Malware. Das Problem ist so groß, dass Trend Micro fordert, dass sich die ICANN des Problems annimmt.

Microsoft ist das ewige Ziel der Malware-Angriffe. Aber Apples Macintosh-Computer geraten mit zunehmender Verbreitung nun vermehrt ins Visier. So gab es kürzlich einen speziellen Angriff gegen Mac-Rechner, bei der sich die Schad-Software als Video-Anwendung tarnte. Auf der Linux-Seite sorgen Netbooks für die Verbreitung des Betriebssystems und machen es für Attacken interessant. Auch Social-Networks werden zunehmend Ziel von Angriffen, da deren Web-Traffic ständig steigt.

[1] http://de.trendmicro.com/de/home/

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