Geräte mit Pre-11n nehmen weiter zu:
Wireless-LAN-Ausblick 2009: Weiter warten auf 802.11n
Das Jahr 2008 hat der kommende Standard 802.11n bestimmt, das wird auch in 2009 so sein. Die Zahl der Unternehmen nimmt zu, die sich damit auseinandersetzen. Weitere Themen sind Sicherheit, Voice-over-Wireless-LAN und Fixed-Mobile-Convergence.
Standards bei IEEE für 802.11 haben scheinbar die Gewohnheit, dass es etwas länger dauert, bis sich alle auf eine Verabschiedung einigen können. Da die Industrie aber nicht so lange warten kann oder will, beschließt die Herstellervereinigung Wi-Fi Alliance eine Industriespezifikation vorab. Dies ist mit WMM (Wi-Fi-Multimedia) und 802.11e mit WPA (Wi-Fi-Protected-Access) und 802.11i, und auch mit 11n und der Draft-2.0-Zertifizierung so geschehen. 11n ist allerdings schneller dabei, die Wireless-LAN-Landschaft zu verändern, als die vorige Standards getan haben. Treibender Faktor ist hier vor allem wie auch schon bei 802.11g die Consumer-Industrie, die als erstes mit Pre-11n-Systemen vorgeprescht ist.
Die WLAN-Infrastruktur-Familie von Aruba Networks
Während sich Hersteller von WLAN-Infrastruktur bei 11g noch mit Produkten vor einer Verabschiedung des Standards zurückgehalten haben, ist dies bei 11n anders. Mittlerweile haben eigentlich alle Hersteller Produkte für Pre-11n im Programm. Aber auch auf der Unternehmensseite wächst die Bereitschaft sich mit 11n zu beschäftigen. Derweil hat die IEEE-Arbeitsgruppe für 11n die Draftversion 7 angenommen. Doch mit einer Verabschiedung wird erst für Ende 2009 gerechnet. Angesichts dessen muss sich jedes Unternehmen genau überlegen wie es mit dem Thema 11n umgehen will.
11n besitzt eine hohe Attraktivität. Da ist einmal die hohe Netto-Performance zwischen 100 und 150 MBit/s. Nominell sind es 300 MBit/s. Im Vergleich dazu sind es bei 11g brutto 54 MBit/s und etwa zwischen 20 und 24 MBit/s. Auch die Reichweite ist besser. Es gibt dabei verschiedene Gründe, weshalb Unternehmen die hohe Bandbreite nutzen wollen. So sind es an erster Stelle Voice-over-Wireless-Applikationen. Ein schnellere Übertragung sorgt für eine geringere Verzögerung, was der Sprachqualität zu gute kommt. Collaboration-Applikationen für den mobilen Bereich und Streaming sind weitere Anwendungen. Auch die zunehmende Datenlast im Wireless-LAN hoffen Unternehmen mit 11n in den Griff zu bekommen.
Nun gilt es als ausgemachte Regeln für Unternehmen nur verabschiedete Standards einzusetzen. Denn hier ist etwa klar, dass keine Änderungen kommen, die den Betrieb vielleicht zwingen, die gesamte Hardware auszutauschen. Doch so pauschal lässt es sich nicht immer sagen. Handelt es sich nur um einen punktuellen Einsatz von Pre-11n, so ist dies sicher nicht so eng zu sehen. Zum anderen gibt es eine Draft-2.0-Zertifizierung der Wi-Fi-Alliance. Dies stellt zumindest das Zusammenspiel zwischen Produkten verschiedener Hersteller sicher. Außerdem sollen laut Aruba alle Änderungen für 11n seit dem Draft 2.0 nur die Software und keine Hardware betreffen. Der Wechsel zum finalen Standard würde dann rein über ein Software-Update erfolgen.
Im WLAN-Labor von Fastlane: Wireless-LAN-Controller von Cisco
Auch wenn ein Unternehmen derzeit keinen flächendeckenden Einsatz plant, lohnt es sich schon jetzt mit 11n Erfahrungen zu sammeln. Denn dank Mimo (Multiple-Input, Multiple-Output) sind bei 11n Reflexionen ein wichtiges Element, das bei allen vorigen Standards unerwünscht war. Dies bedeutet aber, dass 11n sich deutlich anders verhält als die bisherigen Standards. Aber noch ein andere Grund wird für den Kauf von Pre-11n-Lösungen in 2009 eine Rolle spielen: die Investitionssicherheit. Beim Aufbau eines WLANs als Unternehmensinfrastruktur wollen die Firmen jetzt nicht Lösungen kaufen, bei denen absehbar ist, dass die Technologie veraltet ist. Da 11n abwärtskompatibel zu 11a/b/g ist, bietet es sich an, Pre-11n-APs zu kaufen und diese zunächst mit 11a/b/g zu betreiben.
Die zunehmende Verbreitung von WLANs macht diese natürlich auch attraktiver für Angreifer. Damit wird auch 2009 Sicherheit ein großes Thema sein. Theoretisch lassen sich WLANs entsprechend absichern. 802.11i und Wireless-Intrusion-Detection- beziehungsweise Prevention-Systeme sind entsprechende Werkzeuge dafür. Letztere helfen einmal zu überwachen, ob die WLAN-Infrastruktur entsprechend den Sicherheitsvorgaben konfiguriert ist und keine Schwachstellen. Zum anderen geht es darum, entsprechende Angriffe zu erkennen.
Gartner geht davon aus, dass die Jagd nach Lücken im Wireless-LAN zunehmen wird. Zumal es WLAN wesentlich einfacher macht, einen physikalischen Zugang zum Unternehmensnetz zu bekommen. Hier wird die Herausforderung für die Administratoren noch zunehmen, darauf zu achten, dass WLAN keine Lücken hinterlässt. Das gilt auch für Unternehmen, in denen es offiziell keine Funknetze gibt, denn Mitarbeiter können sich schnell mal einen AP im Elektromärkten besorgen.
Mit dem Kauf von Colubris gehört deren Wireless-Infrastruktur-Familie nun zu HP Procurve.
Mittlerweile gibt es zwei erfolgreiche Angriffe auf die WLAN-Verschlüsselung. Dabei geht es einmal um Dictionary-Attacken auf Funknetze mit WPA/WPA2-Preshared-Keys. Die andere Möglichkeit wurde erst vor kurzem aufgezeigt. Dabei lassen sich in Netze mit TKIP-Verschlüsselung unter bestimmten Umständen fremde Pakete einschleusen für Angriffe (Network Computing berichtete [1]). Die Bedeutung dieses Angriffs wurde in der Öffentlichkeit sicher teilweise zu hoch gehängt. Aber Beides sind Beispiele dafür, dass eine schlechte Konfiguration Lücken ins Netz reißen kann. Mit anderen Worten: nicht fehlende Sicherheitsfunktionen, sondern deren Konfiguration werden die Herausforderung im nächsten Jahr sein.
Mittlerweile haben einige Hersteller auch Wireless-Mesh-Lösungen im Programm. Diese sind aber noch nicht im großen Stil bei den Unternehmen angekommen. Mit 802.11n könnte sich das etwas ändern. Denn dann wird es attraktiver, zu mindestens in bestimmten Bereichen mit einem Wireless-Backbone zu arbeiten. Derzeit sind Mesh-Systeme attraktiv, wenn es darum geht, dass keine Netzwerkkabel verlegt oder schnell eine WLAN-Infrastruktur hochgezogen werden soll. Auch Lokalisierung wird ein Nischenthema bleiben, das aber für bestimmte Märkte wie Logistik oder Krankenhauswesen sehr attraktiv ist.
[1] wlan-schutz-erfolgreicher-angriff-auf-wpa/
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