Studie: Energieeffiziente IT:
Experton Group: Green IT verkommt zum Hype-Thema

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

18.03.2008

Kritisch mit dem derzeitigen Rummel um das Thema »Green IT« setzt sich die Beratungsfirma Experton Group auseinander. Ihr Hauptkritikpunkt: Die Anbieter torpedieren die Bereitschaft von Anwendern, für umweltfreundliche IT-Systeme Geld auszugeben, indem sie allem und jedem das Etikett »Grün« aufkleben.

Das beherrschende Thema auf der diesjährigen CeBIT [1] war »Green IT«. So gut wie jeder Hardware-Anbieter oder Lieferant von Systemmanagement-Lösungen überschwemmt seine Kunden, Partner und die Medien mit Mitteilungen, wie »grün« seine Produkte doch seien.

Doch der »Hype«, den die Anbieter um umweltverträgliche Informationstechnik entfacht haben, kann laut der Experton Group [2] das Gegenteil bewirken. »Die Erwartungen waren hoch, dass auf der CeBIT Produkte vorgestellt würden, die den Green-IT-Bemühungen der Anwender entgegen kommen«, sagt Wolfgang Schwab, Senior Advisor bei der Beratungsfirma. »Leider wurden diese Erwartungen jäh enttäuscht.«

Viele Aussteller hätten Green IT zwar auf ihre Fahnen geschrieben, so Schwab. Wirklich Neues zum Thema zeigten seiner Ansicht nach jedoch die wenigsten.

»Firmen, die in den vergangenen Monaten nichts auf diesem Gebiet entwickelt haben, erklären heute, dass sie bereits seit 30 Jahren ihre Produkte im Hinblick auf Green IT optimieren«, kritisiert Schwab. »Offenbar sind die meisten Anbieter willens, das Thema durch merkwürdige Marketing-Aussagen bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu ‚hypen‘.«

Anwender wollen Geld für Green IT ausgeben

Mit der Überfrachtung des Themas umweltverträgliche Informationstechnik tun sich die Hersteller laut Experton jedoch keinen Gefallen. Denn laut einer Studie der Beratungsfirma sind 35 Prozent der deutschen Unternehmen bereit, Geld auszugeben, um den CO2-Ausstoß ihrer IT-Systeme zu senken.

Selbst kleine und mittelständische Firmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern wollen energiesparende IT-Systeme einsetzen (32 Prozent der Firmen mit bis zu 499 Mitarbeitern, 31 Prozent der Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten).

Besonders stark ausgeprägt ist der Trend zu "Grün" bei Großkonzernen mit mehr als 5000 Mitabeitern: 70 Prozent wollen sparsamere IT-Komponenten verwenden.

Bemerkenswert ist, dass die Unternehmen diese Investition auch dann tätigen würden, wenn sich diese nicht über einen niedrigeren Stromverbrauch amortisieren würde. »Diese Investitionsbereitschaft wird aber nur dann in Ausgaben umgesetzt, wenn die erwünschten Ziele vorab realistisch dargestellt werden«, erläutert Wolfgang Schwab.

Sein Fazit: Die Anbieter von IT-Lösungen müssten sich schnellstens auf ein realistisches und nachvollziehbares Produktmarketing besinnen. »Nicht alles muss ‚Grün‘ sein«, so Schwab, »aber Produkte, die unter diesem Label angeboten werden, sollten auch etwas mit dem Thema zu tun haben.«

[1] http://www.cebit.de/
[2] http://www.experton-group.de

Verwandte Artikel
Leserkommentare

Die Leserkommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.

» Tipp der Redaktion

Bild zu "Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010"

Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010

IT-Riesen wie Microsoft, IBM oder Dell haben längst erkannt, dass Frauen in Führungspositionen gehören. Nachdem wir Ihnen in den vergangenen Woche die weltweit mächstigesten IT-Damen vorgestellt haben, folgen jetzt die deutschen Top IT-Managerinnen 2010 - mit einigen Neuzugängen und Managerinnen die schon seit Jahren ihre »Frau« in der IT stehen.

Bild zu "50 Jahre IFA"

50 Jahre IFA

2010 feiert Berlin die 50. IFA. Seit dem Startschuss zur ersten IFA sind aber fast doppelt so viele Jahre vergangen. Die ersten »Große Deutsche Funk-Ausstellung« hatte bereits 242 Aussteller und 180.000 Besucher auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern. Seither war die IFA Schauplatz für zahlreiche Premieren und Neuvorstellungen, etwa den Startschuss für das Farbfernsehen 1967.

» Top-Stories der Woche

Bild zu "50 Jahre IFA"

50 Jahre IFA

2010 feiert Berlin die 50. IFA. Seit dem Startschuss zur ersten IFA sind aber fast doppelt so viele Jahre vergangen. Die ersten »Große Deutsche Funk-Ausstellung« hatte bereits 242 Aussteller und 180.000 Besucher auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern. Seither war die IFA Schauplatz für zahlreiche Premieren und Neuvorstellungen, etwa den Startschuss für das Farbfernsehen 1967.

Bild zu "Was der 1&1-Werbestar wirklich will"

Was der 1&1-Werbestar wirklich will

Ist er ein Schauspieler, oder ist er »echt«? Seit diesem Frühjahr wirbt Marcell D’Avis als »Leiter Kundenzufriedenheit« in TV-Spots für den Internetprovider 1&1. CRN hat D’Avis getroffen.

» Meistgelesene News

Bild zu "Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010"

Das sind die deutschen Top IT-Managerinnen 2010

IT-Riesen wie Microsoft, IBM oder Dell haben längst erkannt, dass Frauen in Führungspositionen gehören. Nachdem wir Ihnen in den vergangenen Woche die weltweit mächstigesten IT-Damen vorgestellt haben, folgen jetzt die deutschen Top IT-Managerinnen 2010 - mit einigen Neuzugängen und Managerinnen die schon seit Jahren ihre »Frau« in der IT stehen.

Bild zu "Nokia N8 mit Symbian 3"

Nokia N8 mit Symbian 3

Mit seinem neuen Touchscreen-Smartphone N8 will Nokia endlich Apples iPhone und der wachsenden Andoid-Konkurrenz wieder ernsthaft Paroli bieten. Eine besonders wichtige Rolle kommt daher dem neuen Symbian 3 zu, das die Bedienung per Touchscreen weit besser unterstützt als die Vorgängerversionen.

» Preisvergleich Top 5