Test: Linux-Terminal-Server-Project:
Mehrwert ohne Tomate und Salat

von Andreas Stolzenberger (ast@nwc.de)

26.04.2007

Die Abkürzung »LTS« erinnert an einen Burger eines bekannten Fast-Food-Konzerns. Der Linux-Terminal-Server macht aber nur einen dick, den Server. Die Clients specken ab. Das Resultat ist eine schlanke und leistungsfähige Client-Server-Umgebung, wie der Test der Real-World Labs belegt.

Unternehmen wie Microsoft oder Citrix bewerben die Windows-Server-Plattform als Basis für Server-based-Computing mit Thin-Clients. Dabei eignet sich Windows denkbar schlecht für diese Aufgabe.

Applikationen pfuschen einerseits gern am System herum, andererseits sind die Programme nur bedingt erfreut, wenn sie von mehreren Benutzern gleichzeitig ausgeführt werden. Zudem fällt es dem Gates-System schwer, Dateien einzelnen Benutzern zuzuordnen und sie vor Übergriffen anderer zu schützen.

Unix dagegen ist als Multi-User-Betriebssystem mit Terminalunterstützung geschrieben worden. So kennt sich auch das freie Linux sehr gut mit Multi-User- und Terminalkonfigurationen aus. Lange vor ICA und RDP hat bereits das X-Protokoll grafische Desktops über das LAN auf Terminals übertragen.



Alternative: Linux-Terminal-Server

Das Linux-Terminal-Server-Project fasst eine Reihe gängiger Linux-Anwendungen, Dienste und Protokolle zu einem simplen Paket zusammen, das einen Linux-PC in wenigen Minuten zum vollwertigen X-Terminalserver aufwertet.

Die Funktionsweise ist dabei ebenso einfach wie zuverlässig. Der LTS erhält einen DHCP-, NFS- und TFTP-Server.

Startet ein Client im LAN per DHCP, sendet ihm der LTS ein Boot-Image. Das enthält lediglich einen simplen Linux-Kernel mit LAN-Unterstützung, SSH, einen X-Server und eine Hand voll Skripte.

Auf dem Thin-Client startet der Linux-Kern und stellt sofort eine SSH-gesicherte X-Verbindung zum LTS her. Der Anwender loggt sich dann direkt am LTS ein und führt seine Anwendungen dort aus.

Der PXE-Boot erlaubt, auf dem LTS verschiedene Boot-Images zu hinterlegen, auch für verschiedene Rechnerarchitekturen. So kann der Systemverwalter beispielsweise einen alten MAC oder eine alte Ultrasparc-Workstation als LTS-Thin-Client zweckentfremden. Statt PXE lässt sich auch Etherboot einsetzen.

Das LTSP arbeitet daran, von möglichst vielen Linux-Distributionen unterstützt zu werden. Aktuell integriert sich das Paket in Debian- und Ubuntu-Distributionen.

Der Test

Für den Test installierte Network Computing daher erst einmal eine reguläre Ubuntu-Desktop-Version (6.10) in einer Vmware-Virtual-Machine. Nach den üblichen Updates enhält der Rechner einen Server-Kernel samt Header-Dateien und Build-Essentials.

Dann genügt es, mit sudo aptitude install ltsp-server-standalone das LTS-Paket abzurufen. Die Dependencies übernehmen den Rest und richten auf der Ubuntu-Maschine die benötigten Dienste wie DHCP, Open-SSH, TFTP und den nfs-kernel-server ein.

Ein weiteres Kommando erstellt die Thin-Client-Umgebung für die Benutzer. Dabei erzeugt der LTS eine abgespeckte Ubuntu-Distribution, welche später auf den Thin-Clients arbeitet. Dieser Build-Tree liegt auf dem LTS-Server unter /opt/ltsp, so dass der Verwalter eigene Anpassungen am Thin-Client-OS vornehmen kann.

Probleme mit DHCP

Auf der Edgy-Testinstallation fährt zunächst der DHCP-Server nicht hoch. Auch eine korrigierte /etc/dhcp3/dhcpd.conf scheint nicht zu helfen.

Letzten Endes stellt sich jedoch heraus, dass der LTS die dhcpd.conf im Verzeichnis /etc/ltsp sucht, statt wie sonst üblich unter /etc/dhcp3.

Auf Wunsch kann der Administrator einen bestehenden DHCP-Server verwenden, auch wenn dieser unter Windows oder als Teil einer Router-Appliance arbeitet. Der DHCP-Server muss lediglich die Option erlauben, den LTP-Server als PXE-Bootsystem anzugeben.

Nach der DHCP-Korrektur starten die Testclients im Labor fehlerfrei über das LAN und koppeln sich an den Ubuntu-Server 6.10. Das Log-in erfolgt über ein reguläres Benutzerkonto des LTS. Das Thin-CLient-OS selbst kennt in der Grundausstattung kein lokales Log-in.

Um lokale Daten des Thin-Client-PCs mit dem Server auszutauschen, gibt es das ltspfs-Dateisystem. Der Verwalter kann bei der Client-OS-Konfiguration festlegen, ob und welche lokalen Ressourcen der Thin-Client in das Dateisystem des LTP-Servers einblendet.


Fazit

Ein Linux-Terminal-Server läßt sich dank LTPS binnen Minuten einrichten und nutzen. Der Administrator kann die Software nach Belieben an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Nachteilig wirkt sich lediglich aus, dass das X-Protokoll eine große Bandbreite im LAN fordert und sich somit nur schlecht auf WAN-Verbindungen einsetzen läßt. Hier sind RDP und ICA deutlich im Vorteil.

Kategorie: Linux-Terminal-Server

Hersteller: Linux Terminal Server Project [1]

Charakteristik: Server-based-Computing-Erweiterung für Ubuntu

Plus:

+ Einfache Installation, Wartung und Bedienung

+ Basiert ausschließlich auf offenen Protokollen und Diensten

+ Läßt sich flexibel erweitern oder anpassen

Minus:

- Das X-

Protokoll braucht viel Bandbreite und eignet sich daher kaum für WAN-angebundene Clients

Preis: kostenlos unter GPL

www.ltsp.org

[1] http://www.ltsp.org

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