Datenschutz bei Social Media:
Facebook-Nutzer wollen ihre Chefs nicht als »Freunde«

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

26.04.2010

Social-Media-Anwendungen wie Xing, Myspace oder Facebook halten am Einzug am Arbeitsplatz. Allerdings nehmen viele Arbeitnehmer Vorgesetzte oder gar den »Oberchef« lieber nicht in die Freundesliste mit auf, wie eine Studie des IT-Sicherheitsspezialisten F-Secure ergab.

Auch wenn es viele Arbeitgeber und IT-Verwalter gar nicht gerne sehen: Laut einer Untersuchung von F-Secure [1] nutzen 58 Prozent aller User von Facebook [2] die Social-Media-Plattform regelmäßig während der Arbeitszeit. Aber für 73 Prozent kommt er nicht in Frage, Vorgesetzte in ihre Freundesliste mit aufzunehmen.

Für einen verantwortsvollen Umgang mit eigenen Daten auf Facebook plädiert IT-Security-Spezialist F-Secure.

Ein Grund: Die Nutzer von Facebook schätzen die Gefahr als zu hoch ein, dass sie über den Service Neuigkeiten verbreiten, die zu Sanktionen innerhalb des Unternehmens führen könnten. Zudem möchten viele schlichtweg private und berufliche Belange nicht miteinander vermischen.

Facebook-User sind vorsichtig

Das Vorurteil, dass Facebook-User unverantwortlich mit privaten Daten umgehen, bestätigte sich nicht. An die 77 Prozent der Anwender nutzen demnach die Funktionen des Services, um selbst zu entscheiden, wer in den Genuss persönlicher Daten kommt.

Dazu Sean Sullivan, Security Advisor bei F-Secure: »Was selbsternannte Sicherheitsexperten immer wieder gepredigt haben, können wir von unserer Seite aus nicht bestätigen. Die Nutzer von Facebook achten sehr wohl auf den Schutz ihrer Privatsphäre.«

Während Facebook immer mehr Informationen öffentlich zugänglich mache, seien sich die User mehr denn je bewusst, dass die Kontrolle über ihre sensiblen Daten auf dem Spiel stehe, so Sullivan. Das bedeutet, dass die User des Dienstes sehr wohl registrieren, was mit ihren Daten passieren kann.

Das Internet vergisst nie

Speziell für Jobsuchende kann ein lascher Umgang mit der Privatsphäre schnell zum Eigentor werden. Immer mehr Personalvermittler durchforsten das Netz nach Informationen über den potenziellen Bewerber.

Wer im Internet allzu freizügige Bilder veröffentlicht oder Schnappschüsse von der letzten feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier oder anderen geselligen Veranstaltungen auf seinem Facebook-Account präsentiert, für den kann der Wunsch vom Traumjob schnell zu Ende sein.

Wessen Freunde solche Bilder auf Facebook stellen oder wer das selbst tut, wird beim Arbeitgeber (in spe) mit Sicherheit Pluspunkte sammeln.

Dass solche Warnungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen Fälle aus der jüngsten Vergangenheit: Dabei wurden Angestellte, darunter auch militärisches Personal, wegen unqualifizierter Bemerkungen via Facebook abgemahnt oder gar entlassen.

»Bei unserer Umfrage haben 35 Prozent der Nutzer bestätigt, schon einmal auf Facebook Kommentare veröffentlicht zu haben, die sie später bereut haben. Diese Einsicht kommt für viele aber zu spät«, so Sullivan weiter. »Was einmal online gestellt wurde, lässt sich nur schwer wieder zurücknehmen. Wir können nur jedem Nutzer raten, sich genau zu überlegen, welcher Inhalt verbreitet wird, sonst kann die Geschichte schnell zu einem Bumerang werden.«

Vorsicht ist angesagt

Überraschend ist auch ein weiteres Resultat der Studie: Viele Facebook-Nutzer nehmen es mit der Datensicherung sehr genau. So gaben 70 Prozent an, regelmäßig Sicherheitskopien von Bildern zu erstellen, die auf dem eigenen Account veröffentlicht wurden. Eine Steigerung um 14 Prozentpunkte gegenüber der Umfrage aus dem Jahr 2009.

Dennoch warnt F-Secure davor, Facebook und vergleichbaren Services allzu sehr zu vertrauen. »Facebook wird uns gerne als kostenloser Service verkauft«, moniert Sean Sullivan. »Tatsächlich ‚zahlen‘ aber die User für ihre Mitgliedschaft, indem sie mit Werbung konfrontiert werden.«

Darüber hinaus werde das digitale Leben im Internet ausspioniert und Daten mittels Sharing auf der ganzen Welt verbreitet, wovon im schlimmsten Fall Dritte profitieren können. »Die Nutzer lassen sich auf diesen Handel ein, fordern aber immerhin mehr Transparenz und Kontrolle: Sie wollen wissen, welche Daten veröffentlicht und, fast noch wichtiger, an wen ihr digitales Eigentum adressiert wird.«

[1] http://www.f-secure.de/
[2] http://www.facebook.com/

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