Schutz von Daten auf mobilen Rechnern:
Studie: Manager torpedieren IT-Sicherheitsmaßnahmen

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

11.03.2010

Von wegen Vorbildfunktion: Laut einer Untersuchung des Ponemon-Instituts und von Absolute Software deaktivieren viele Führungskräfte die Verschlüsselungsfunktion ihrer mobilen Rechner. Damit präsentieren sie Notebook-Dieben Unternehmensdaten auf dem Silbertablett.

Da gibt sich die IT-Abteilung alle erdenklich Mühe, Unternehmensdaten vor Hackern zu schützen. Und dann stellt sich heraus, dass die Gefahr im Inneren lauert, und zwar an zentraler Stelle.

Notebooks gehören zur Standardausrüstung von leitenden Mitarbeitern von Firmen. Doch viele hebeln die integrierte Verschlüsselungslösung aus, etwa weil sie den Rechner zu langsam macht oder aus Bequemlichkeit.

Wie eine Studie des Ponemon-Instituts [1] und von Absolute Software [2] ergab, stellt ausgerechnet das Verhalten von Mitarbeitern in führenden Positionen ein beträchtliches Sicherheitsrisiko für Unternehmensdaten dar. Das gilt speziell für Informationen, die auf Notebooks oder anderen mobilen Geräten lagern.

Laut der Studie legen viele Manager einen erstaunlichen Eifer an den Tag, wenn es um das Deaktivieren der Verschlüsselungssoftware geht, die auf ihren mobilen Rechnern installiert ist. Den Vogel in dieser Hinsicht schießen Führungskräfte in den USA ab: An die 60 Prozent deinstallieren entsprechende Lösungen oder legen sie auf andere Weise lahm.

Ganz anders sieht es in Deutschland und Schweden aus: Nur 15 Prozent der befragten deutschen Manager räumten ein, dass sie vorhandene Verschlüsselungsmechanismen deaktiviert haben. Gar nur 13 Prozent sind es in Schweden.

Jedes verloren gegangene Notebook kostet 49.000 Dollar

Allerdings sind auch Schweden und Deutsche nicht ohne Fehl und Tadel. Denn wie die Untersuchung ergab, führte in 49 der schwedischen und 46 Prozent der deutschen Firmen ein verlorener oder gestohlener Laptop zu einem Datenverlust. Das lässt sich nur damit erklären, dass die User nicht alle Unternehmensinformationen auf den Systemen verschlüsselten.

Zum Vergleich: In den USA wurden 72 Prozent der Unternehmen Opfer von Datenverstößen als Folge des Verlusts mobiler Rechner, in Kanada 50 Prozent.

Deutsche Führungskräfte sind im Vergleich zu ihren Kollegen in den USA wahre Waisenknaben, was das Deaktivieren von Sicherheits-Tools auf Notebooks betrifft.

Laut Ponemon kostet der Verlust eines Notebooks ein Unternehmen in den USA rund 49.230 Dollar. Darin enthalten sind die Kosten für die Wiederbeschaffung des Geräts und der Software, aber auch die Aufwendungen, die durch den Verlust von Daten entstehen.

Hier reicht die Palette vom Neuerfassen oder dem Kauf von Informationen Daten über das Informieren von betroffenen Kunden bis hin zum Verlust von Geschäft, weil Kunden das Vertrauen zu einem Unternehmen verloren haben.

Hälfte der Firmen vermisste bereits einmal Notebooks

Rund 55 Prozent der befragten deutschen IT-Verantwortlichen gaben an, dass in ihrem Unternehmen bereits einmal ein mobiler Rechner verloren oder gestohlen worden sei. Und 46 Prozent berichteten, dass dies zu einem Datenverlust geführt habe.

In nur 75 Prozent der Fälle konnte das Unternehmen belegen, dass die Daten auf dem Gerät verschlüsselt waren. Die wiederum ist aus Compliance-Gründen wichtig.

Geraten durch den Verlust eines Rechners beispielsweise Kundendaten in fremde Hände, ist eine Firma laut Bundesdatenschutzgesetz dazu verpflichtet, dies den Betroffenen mitzuteilen – ein massiver Image-Schaden.

Passwort auf Post-it

Die Studie ergab zudem, dass nicht nur das Aushebeln der Verschlüsselungsfunktion von mobilen Rechnern ein Sicherheitsrisiko darstellt.

So notiert sich ein Drittel der US-Manager das Passwort für ihren Mobilrechner beziehungsweise die Verschlüsselungssoftware auf einem Notizzettel – den sie dann häufig in der Notebook-Tasche deponieren. Von den deutschen User tat dies kein einziger; zumindest gab es keiner zu.

Weitere Tipps für sicheres Mobile Computing

Die Datenverschlüsselung auf einem Notebook ist ein wesentlicher Baustein eines Sicherheitskonzepts. Doch damit lässt nicht alles »erschlagen«. Weitere sinnvolle Maßnahmen sind:

Der Einsatz von komplexen Passwörtern, bestehend aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Dabei möglichst keine Daten wie den eigenen Namen oder das Geburtsdatum verwenden.

Rechner ausschalten: Wenn ein System nicht benutzt wird, dieses ausschalten.

Ungesicherte Funknetze meiden: Wenn möglich, keine WLANs ohne Verschlüsselung verwenden. Für den Zugang zu Firmennetzen ist der Einsatz von VPNs und entsprechender Client-Software auf Notebooks unerlässlich.

Sicherer Aufbewahrungsort: Den Rechner nicht im Auto, Hotelzimmer oder anderen ungesicherten Orten liegen lassen. Besser ist es, ihn im Hotelsafe zu deponieren, wenn man das Hotel verlässt. Ist man mit dem Auto unterwegs, den Rechner zumindest im Kofferraum deponieren und nicht offen im Fond liegen lassen.

Patches und Software-Updates regelmäßig einspielen: Ein Einfallstor für Malware und Spionage-Software sind Systeme mit veraltetem Betriebssystem und ungepatchten Anwendungen. Daher in regelmäßigen Abständen Updates durchführen, auch der Security-Software.

Verschlüsselung ist kein Allheilmittel

»Wie die Studie zeigt, verlassen sich Geschäftsführer zu stark auf Verschlüsselung, um vertrauliche Informationen zu schützen und zu sichern«, kommentiert Dr. Larry Ponemon, Leiter des Ponemon Instituts. »Während Laptop-Verschlüsselung ein unerlässliches Sicherheitstool darstellt, kann ein allzu nachlässiges Nutzerverhalten wie die Deaktivierung von Sicherheitsmechanismen, die Herausgabe von Passwörtern oder die Nutzung unsicherer mobiler Netzwerkzugänge den Wirkungsgrad dieser Mechanismen stark einschränken.«

Trotz Datenverschlüsselung gehen beim Verlust eines mobilen Rechners auch unternehmenskritische Informationen verloren. Vermutlich deshalb, weil die User nicht alle Daten verschlüsseln.

Und John Livingston, CEO von Absolute Software, ergänzt: »Die Untersuchung verdeutlicht, dass IT- und Compliance-Abteilungen nach wie vor nicht über ausreichende Mittel verfügen, um Sicherheitsrichtlinien durchzusetzen. Dies betrifft speziell solche, die sich mit dem Schutz sensibler Unternehmensdaten befassen.«

Maßnahmen wie der Einsatz von Verschlüsselungstechnologien würden durch unangemessenes Nutzerverhalten ausgebremst. Livingston weiter: »Unternehmen müssen abwägen, in welchem Maße ihre eigenen Mitarbeiter ein Risikopotenzial für geschäftsgefährdende Datenverstöße darstellen. Jede IT-Sicherheitsstrategie sollte diesen menschlichen Risikofaktor berücksichtigen und zum Ziel haben, ihn zu minimieren.«

Die Studie steht auf Deutsch zum Download bereit unter: www.absolute.com/human-factor [3].

[1] http://www.ponemon.org/
[2] http://www.absolute.com/de_DE/
[3] http://www.absolute.com/human-factor

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